Controlling als Leitkonzept für die Evaluierung des Naturschutzes

 

Der Begriff des Controlling wurde bisher v.a. im betriebswirtschaftlichen Zusammenhang gebraucht. Man versteht darunter die Planung, Steuerung und Kontrolle von Organisationen, Prozessen und Projekten (Netlexikon 2003, S.1). Controlling kann danach also nicht einfach mit „Kontrolle“ übersetzt werden, sondern ist viel umfassender, nämlich die „Beherrschung, Lenkung, Steuerung, Regelung von Prozessen“ (Horvath 2001, S.26). Das Ziel des Controlling im ökonomischen Bereich besteht darin, die Wirtschaftlichkeit in allen betrieblichen Bereichen sicherzustellen.

 

Der Versuch, eine Überwachung und Wirkungskontrolle für Naturschutzmaßnahmen durchzuführen, ist selbstverständlich kein neues Konzept und findet seine Entsprechung in ausführlichen landschaftsplanerischen Fachdiskussionen unter den Stichworten der ‚Evaluationsforschung’ (Marti und Stutz 1993; Mönnecke 2001) und des ‚Monitoring’ (Evert 2001; Bürger und Dröschmeister 2001).

 

Doch in der vorliegenden Arbeit soll der Controlling-Begriff aus einer Reihe von Gründen vorgezogen werden:

-         Zum einen läuft Controlling auf eine „Koordinationsfunktion der Führung“ (Weber/Schäffer 2001, S.7) hinaus. Es geht also um ein koordiniertes Gesamtkonzept, nicht nur um Einzelmaßnahmen. Zusätzlich wird eine durchsetzungsstarke und zentrale Unternehmensführung unterstellt, die hinter dem Controlling-Konzept steht. Eine derartige, eindeutig auf den Naturschutz konzentrierte Wirkungskraft wäre auch im öffentlichen Bereich wünschenswert. 

-         Gleichzeitig schwingt im Controlling-Begriff die starke Bedeutung der Kontrollkomponente mit. Obwohl führende Managementforscher wie Horvath (2001, S.26f.) nicht müde werden zu betonen, dass Controlling viel mehr bedeutet als Kontrolle, so bezieht das Konzept doch einen großen Teil seiner Attraktivität aus der Erarbeitung funktionierender Kontrollkonzepte (etwa aus der betriebswirtschaftlichen internen Kostenrechnung). Wie im Laufe der vorliegenden Arbeit noch deutlich wird, ist die Kontrolle in vielen der besprochenen Naturschutzkonzepte ein gewichtiger Schwachpunkt.

-         Gleichzeitig spricht für das Controlling-Konzept der Fokus auf der Effizienzorientierung, der sich in dem Wunsch nach „Rationalitätssicherung“ (Weber/Schäffer 2001, S.112) ausdrückt. Das Anliegen, die Ziele des Naturschutzes in einer optimalen Mittel-Ziel-Beziehung (also möglichst effizient und unbeeindruckt von politischen Befindlichkeiten und Rücksichtsnahmen) durchzusetzen, klingt in der Begriffswahl mit und wird auch vom Autor geteilt.

-         Zusätzlich liegt in der betriebswirtschaftlichen Diskussion ein Schwerpunkt auf der Anreizkompatibilität. Das heißt, es wird nicht idealistisch von der automatischen Überzeugungskraft hoher Zielen wie der Schonung natürlicher Ressourcen ausgegangen, sondern im Gegenteil angenommen, dass alle Beteiligten an Organisations- und Planungsprozessen zumindest potentiell ihr eigenes Interesse (auch entgegen dem offiziellen Zielsystem) verfolgen. Darum wird im Controlling beträchtliche Aufmerksamkeit auf das Setzen richtiger Anreize gelenkt (siehe z.B. Baum et al. 2003, S.261 ff.). Viele der noch zu diskutierenden Schwächen, aber auch viele der Verbesserungsvorschläge für die Instrumente des Naturschutzes basieren auf zu wenig berücksichtigten Anreizen.

-         Der Controller gestaltet, koordiniert und begleitet den Management Prozess beim Controlling, er selbst ist aber nicht unmittelbar verantwortlich. Damit ist das Höchstmaß an Verantwortlichkeit analog zu betrachten zu den politisch komplexen und dezentralisierten Prozessen des Naturschutzes. Der Controller ist in erster Linie Wegbegleiter mit Transparenzverantwortung (Netlexikon 2003, S.2). Dies ist genau der Anspruch, mit dem der Beurteilungsprozess in Freiburg durchgeführt wurde.  

 

Aufgaben des Controlling

Die Aufgaben, die mit der Gestaltung des Controlling verbunden sind, sollen  im Rahmen der Diplomarbeit weitest möglich berücksichtigt werden:  

  1. Planungsaufgaben des Controllers

Der Controller beteiligt sich am Zielbildungsprozess. Es wird dabei (in Zusammenarbeit mit der Führungsebene des Betriebes, im Falle der Evaluation also mit den zuständigen Personen der jeweiligen Ämter) ein inhaltliches Planungssystem und auch eine zeitliche Koordination entworfen. Obwohl im Controlling-Konzept die umfassende Planung der Naturschutzziele normativ mitschwingt, ist ein derartig weitreichender Prozess im Falle des Umweltschutzes unrealistisch.  So verweisen Controlling-Forscher wie Weber und Schäffer (2001, S. 28) darauf, dass sich die öffentliche Verwaltung mit Controlling schwer tut. Bisher erwiesen sich Controllingansätze bei Behörden nur dort als erfolgreich, wo es möglich war, formale Regeln (Gesetze, Verordnungen, Verfügungen, Ausführungsregelungen) außer Kraft zu setzen und an ihrer Stelle zielorientiert zu planen. Dies war im untersuchten Fall weder möglich noch von den beteiligten Personen angestrebt. Also blieb vom Anspruch des Controlling vor allem die effiziente Kontrollgestaltung und Verbesserungsvorschläge bei mangelhaften Anreizstrukturen. In diesem Teilbereich waren aber Planungsaufgaben mit zu berücksichtigen. So wird in der vorliegenden Arbeit ein Design erstellt, in dem inhaltlich die genaue Kontrollaufgabe definiert und diese somit geplant wird (also die Überprüfung der Umsetzung der Erfordernisse und Maßnahmen aus dem Landschaftsplan sowie der Festsetzung der Grünordnungspläne).

 

  1. Informationsaufgabe des Controllers

Der Controller organisiert auch das Berichtswesen. Darunter kann man beim Controlling der Instrumente des Naturschutzes die regelmäßige Übermittlung der erhobenen Daten verstehen, wie sie in diesem speziellen Fall über die Homepage www.oekohauptstadt.de erfolgt.

 

  1. Steuerungs- und Kontrollaufgaben des Controlling

Hierbei geht das Controlling noch über den Soll-Ist-Vergleich (also die Umsetzungskontrolle) hinaus. Das     Controlling versucht auch, die Ursachen von Fehlentwicklungen zu ermitteln und steuernde Aktivitäten zur   Zielerreichung zu managen. Das Controlling versucht dabei, vorausblickend zu agieren, und nicht erst bei     festgestellter Ineffizienz im Nachhinein verbessernd zu wirken etwa durch das Aufzeigen von Schwachstellen.

 

  1. Dienstleistungsaufgabe

Hierzu gehört in erster Linie die Informationsversorgung für die Planungs-, Steuerungs- und Kontrollzwecke. Als Mittel dafür kann ein EDV gestütztes Controllingsystem zur  Überwachung der Entwicklung dienen.  Im Falle der Evaluierung der Instrumente des Naturschutzes in Freiburg wird dazu eine Datenbank zur Erfassung und Kontrolle der grünordnerischen Festsetzungen sowie ein GIS-gestütztes Kompensationsflächenkataster entwickelt.

 

  1. Koordinationsaufgaben des Controlling

Controlling als neue wissenschaftliche Disziplin ist mehr als die Koordination der Teilaufgaben wie Planung, Berichtswesen und Kontrolle. Es muss dabei ein systembildende Ordnung entwickelt werden, vorrangig geht es um die Aufstellung eines funktionsfähigen Planungs-, Kontroll- und Informationssystems sowie die Vornahme der  anfallenden Gestaltungs- und Abstimmungsaufgaben. Unter das weiterhin notwendige systemkoppelnde System fällt dann die Koordination zwischen den Teilsystemen, d.h. die Abwicklung des Informationsbedarfs durch das Berichtswesen und die Darstellung von Handlungsalternativen mit Entscheidungshilfen. Beim vorliegenden Controlling werden die einzelnen für die Instrumente des Naturschutz zuständigen Stellen auf ihren Aufgabenwahrnehmung hin überprüft, um dann festzulegen, welchen Aufgaben künftig vielleicht besser anders übernommen werden könnten.  

  6.  Organisatorische Einordnung des Controlling

Das Controlling ist in Zeiten zunehmendem Wettbewerbs und knapper werdender Mittel ein immer wichtiger werdendes Instrument. Es kann in Form einer eigenen Abteilung agieren oder externalisiert werden (vgl. Netlexikon 2003, S.2-5). Bei der Evaluierung der Naturschutzinstrumente in Freiburg findet das Controlling (nach einer internen Phase in Form eines Praktikums) nun in externer Form (im Rahmen dieser Diplomarbeit) statt.



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